Rechtsanwalt

Dr. Alexander T. Schäfer

Fachanwalt für Medizin-

und Versicherungsrecht

Behandlungsfehler

Das Sekretariat ist montags bis freitags
von 08.30 bis 13.00 Uhr und
von 14.00 bis 17.30 Uhr besetzt

X

Die Durchsetzung von Schadensersatz wegen eines Behandlungsfehlers ist grundsätzlich schwierig, die Einschaltung eines auf Arzthaftung spezialisierten Rechtsanwaltes meist unumgänglich. Nachfolgend werden der Begriff des Behandlungsfehlers und die wichtigsten Fehlerarten dargestellt.

Als Behandlungsfehler bezeichnet man jeden Fehler eines Arztes oder sonstigen Beteiligten bei der medizinischen Versorgung eines Patienten, wodurch dieser geschädigt wird, also jede falsche Behandlung.

Maßstab für die Beurteilung sind die Regeln der ärztlichen Kunst (lege artis). Diese werden durch den „Facharzt-Standard“ geprägt. Dies bedeutet, dass jeder Arzt bei einer Behandlung den Standard einhalten muss, den ein Facharzt in diesem Gebiet nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft gewähren müsste. Anhaltspunkte für diesen Standard geben die Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF) und die Richtlinien der Bundesärztekammer.

Arzthaftung

Grober Behandlungsfehler

Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn derart schwer gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen wird, dass man von einem Fehlverhalten sprechen muss, der einem Arzt einfach nicht unterlaufen darf. Es handelt sich dabei um eine juristische, nicht medizinische Wertung. Die Unterscheidung zwischen einem einfachen und einem groben Behandlungsfehler ist in einem Arzthaftungsprozess von großer Bedeutung. Denn im Normalfall muss der Patient nicht nur beweisen, dass der Arzt einen Fehler gemacht hat. Zudem muss der Patient auch nachweisen, dass ihn gerade dieser Fehler geschädigt hat. Gelingt es dem Patienten dagegen dem Arzt einen groben Behandlungsfehler nachzuweisen, tritt eine sogenannte Beweislastumkehr ein. Nicht mehr der Patient, sondern der Arzt muss jetzt beweisen, dass sein Versagen den Schaden des Patienten nicht verursacht hat.

Diagnosefehler

Einen Unterfall stellt der Diagnosefehler dar. Ein solcher liegt vor, wenn der Arzt schuldhaft eine Erkrankung oder Verletzung nicht erkennt oder eine nicht vorhandene Krankheit diagnostiziert. Dies kann dadurch geschehen, dass er erhobene Befunde falsch interpretiert oder diagnostische Maßnahmen unterlässt.

Befunderhebungsfehler

Abzugrenzen vom Diagnosefehler ist der Befunderhebungsmangel. Er wird häufig als Gegenstück zum Diagnosefehler angesehen, stellt aber eigentlich einen Unterfall der falschen Diagnostik dar. Der Befunderhebungsmangel zeichnet sich dadurch aus, dass der Arzt die tatsächliche Erkrankung oder Verletzung nur deshalb nicht erkennt, weil er die dafür erforderliche Diagnostik nicht durchführt. Dies ist dem Arzt aber nur dann vorzuwerfen, wenn er erkennen musste, dass weitere Untersuchungen notwendig waren. Der Befunderhebungsmangel wird häufig mit dem (einfachen) Diagnosefehler verwechselt. Stellt der Arzt nämlich irrtümlich und vorwerfbar eine falsche Diagnose, liegt ein Diagnosefehler und kein Befunderhebungsmangel vor. Ein Befunderhebungsfehler ist stattdessen meist dann zu bejahen, wenn der Arzt gerade noch keine Diagnose gestellt hat und weitere mögliche Maßnahmen zur Ursachenforschung unterlässt.

Fehler bei der Befunderhebung sind rechtlich bedeutsam, weil sie wie ein grober Behandlungsfehler zu einer Beweislastumkehr zugunsten des Patienten führen können. Dies ist dann der Fall, wenn die weitere Befunderhebung ein so eindeutiges Ergebnis erbracht hätte, dass eine Nichtreaktion auf diesen (hypothetischen) Befund sich als grober Fehler dargestellt hätte.

News

  • Keine Befristung der BU-Leistung ohne Begründung

    Der Bundesgerichtshof hat entschieden (Urteil vom 09.10.2019 – IV ZR 235/18), dass die Leistung aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung nur unter Angabe der Gründe durch den Versicherer befristet werden darf.  Im entschiedenen Fall sahen die Versicherungsbedingungen die Möglichkeit einer befristeten Leistung „in begründeten Einzelfällen“ vor. Der Versicherer gewährte deshalb zunächst nur befristete Zahlungen. Allerdings nannte er die... Artikel ansehen