Rechtsanwalt

Dr. Alexander T. Schäfer

Fachanwalt für Medizin-

und Versicherungsrecht

Die Private Unfallversicherung

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Die Private Unfallversicherung ist ein privater Versicherungsvertrag, der vor finanziellen Problemen nach einem Unfall schützen soll. In der Privaten Unfallversicherung können verschiedene Leistungen vereinbart werden.

Typischerweise gehören hierzu

  • eine Invaliditätsleistung (Zahlung eines Einmalbetrages) 
  • eine Invaliditätsrente
  • Tagegelder oder Krankenhaustagegelder
  • Genesungsgelder
  • Zahlungen im Todesfall.

Da es in der Privaten Unfallversicherung häufig um hohe Beträge geht – insbesondere im Falle der Invalidität – sind die Probleme mit den Versicherern dann recht häufig. Zudem enthalten die Versicherungsbedingungen eine Reihe von Ausschlusstatbeständen, wie Vorerkrankungen, und Ausschlussfristen. Insbesondere eine Fristversäumung – auch wenn unverschuldet – kann zum vollständigen Verlust der Leistungsansprüche führen. Darüber hinaus werden nicht selten schon bei der Unfallschilderung Fehler gemacht, die später nur sehr schwer wieder zu korrigieren sind.

In der Privaten Unfallversicherung ist es deshalb dringend anzuraten, bereits vor der Unfallmeldung an den Versicherer sich den Rat eines im Versicherungsrecht spezialisierten Rechtsanwaltes einzuholen. Dadurch wahren Sie von Anfang Ihre Chancen auf höchstmöglichen und schnellen Leistungsbezug!

Grundlagen der Privaten Unfallversicherung (PUV):

Unfall

Als Unfall gilt das plötzliche, von außen auf den Versicherten wirkende Ereignis, dass zu einer unfreiwilligen Gesundheitsschädigung führt.

Nach dieser Definition ist auch ein gewalttätiger Angriff eines Dritten ein Unfall und führt zum Leistungsanspruch. Dagegen zählen spontane, altersbedingte Knochenbrüche oder nach einem „Verstolpern“ ohne Sturz meist nicht als Unfälle.

Ausschlüsse

Bestimmte Unfallursachen und Schäden sind vom Versicherungsschutz ausgenommen. So besteht kein Anspruch, wenn ein Unfall aufgrund einer kurzen Bewusstlosigkeit eintritt. Auch ein ärztlicher Behandlungsfehler gewährt keinen Leistungsanspruch, es sei denn, der Fehler wurde bei der Behandlung von unfallbedingten Verletzungen begangen. Bei Infektionen oder Vergiftungen besteht gleichsam kein Anspruch. Nach den Versicherungsbedingungen sind auch die Folgen psychischer Reaktionen auf ein Unfallereignis vom Versicherungsschutz ausgenommen. Bestes Beispiel hierfür ist die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Schäden an Bandscheiben werden ebenso nicht ersetzt, es sein denn, dass der Unfall die überwiegende Ursache des Bandscheibenschadens ist. Bei vielen Versicherungen können aber – gegen höhere Prämien – verbesserte Bedingungen vereinbart werden, die diese Ausschlüsse wieder einschränken.

Fristen

Ein häufig übersehenes Problem sind die Fristen in der Unfallversicherung. Es handelt sich dabei um Ausschlussfristen, der Versäumnis häufig nicht mehr zu heilen ist. Für den Anspruch wegen Invalidität genügt es nicht, den Unfall nur zu melden. Vielmehr muss der Eintritt der Invalidität durch eine ärztliche Bescheinigung innerhalb einer bestimmten Frist (häufig 15 Monate) nachgewiesen werden. Darum muss sich in der Regel der Versicherte selbst kümmern.

In der Unfallversicherung können verschiedene Versicherungsleistungen vereinbart werden.

Die Invaliditätsleistung

Hauptleistung ist üblicherweise die Zahlung eines bestimmten Betrages bei Invalidität. Die Höhe ist vom Grad der Invalidität abhängig. Erforderlich ist eine dauerhafte Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit. Um diese zu bestimmen, haben die Versicherer die sogenannte Gliedertaxe entwickelt. Der Körper ist darin nach verschiedenen Regionen unterteilt. Die Höhe des Anspruchs errechnet sich aus der betroffenen Körperregion und der Stärke der Einschränkungen und Behinderungen in diesem Körperteil.
Die gesamte Invaliditätssumme wird in der Regel nur bei einer Invalidität von 100 % fällig. Ansonsten besteht der Anspruch nur anteilig. Viele Verträge beinhalten aber auch verbesserte Gliedertaxen oder eine Progression. Diese führen zu einem höheren Anspruch.

Nicht selten wird aber eine Invalidität von 50 % auch eine monatliche Rente zusätzlich gezahlt.

Zusatzleistungen

Neben der Invaliditätsleistung können weitere Leistungen vereinbart werden. Hierzu gehören Übergangsgelder bei langer Heilungsdauer, Tagegelder während der Dauer einer Arbeitsunfähigkeit, Krankenhaustagegelder während der Dauer eines Krankenhausaufenthaltes, Genesungsgelder für die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt oder eine Zahlung im Todesfall an die Erben. In einigen Versicherungen ist auch eine sogenannte Existenzschutzversicherung enthalten. Diese erbringt zusätzliche Leistungen bei bestimmten Krankheiten oder im Falle von Berufsunfähigkeit.

Nachbemessung

Sowohl der Versicherte als auch der Versicherer haben das Recht, den Grad der Invalidität jährlich überprüfen zu lassen, längstens aber bis zu drei Jahre nach dem Unfall. Wird dabei eine höhere Invalidität festgestellt, muss der Versicherer nachbezahlen. Tritt eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ein, muss der Versicherte womöglich einen Teil der bereits erhaltenen Versicherungssumme zurückzahlen. Als Versicherungsnehmer sollte man sich es deshalb genau überlegen, ob man von sich aus ein Nachprüfungsverfahren beantragt.

Versicherungsrecht

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