Dr. Alexander T. Schäfer
Hochstraße 17
D - 60313 Frankfurt am Main

Tel: +49 (0)69 400.340.9 - 0
Fax: +49 (0)69 400.340.9 - 40
E-Mail: mail@atsrecht.de

< Keine Rückkehr in die GKV bei Anfechtung oder Rücktritt
15.06.2015 23:31 Alter: 2 yrs

Vorsicht bei der Schadensmeldung in der Privaten Unfallversicherung!

Wie Versicherer versuchen, Ansprüche mit dem Vorwurf des Versicherungsbetruges abzulehnen.

Unfall erlitten - schwer verletzt- gut versichert? Viele Versicherungsnehmer glauben, der Versicherer würde jetzt schnell und unkompliziert leisten. Leider ist es häufig genau andersherum: der Versicherer verzögert die Bearbeitung und versucht sich der Leistungspflicht zu entziehen.

Unberechtigte Leistungsverweigerung ist ein beliebtes Mittel der Versicherungswirtschaft, um den eigenen Gewinn zu steigern. Dies gilt besonders dann, wenn es um die Auszahlung hoher Versicherungsleistungen geht - etwa in der Privaten Unfallversicherung nach schweren Unfällen.

Dabei bedienen sich die Versicherer verschiedener Strategien. Hierzu gehören etwa Kampagnen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung - zum Beispiel durch die Finanzierung von "Reality-Dokus" über die Arbeit von Versicherungsdetektiven. Daneben werden vermehrt die eigenen Mitarbeiter auf das Erkennen von "Versicherungsbetrug" trainiert. Sie sollen (vermeintliche) Versicherungsbetrüger entlarven. In der Praxis bedeutet dies, dass jeder gemeldeter Versicherungsfall routinemäßig auf "Auffälligkeiten" hin überprüft wird. Ziel dabei ist es, dem Versicherer einen Grund zur Leistungsverweigerung zu geben. Ob diese Verweigerung berechtigt ist, ist für die Gewinnsteigerung zweitrangig.

Gefahr besteht dabei leider auch für den redlichen Versicherungsnehmer. Denn dieser kann sich durch unbedarfte Äußerungen oder nachlässig erstellte Schadensmeldungen leicht dem Verdacht einer unberechtigten Leistungsgeltendmachung aussetzen.

Üblicherweise wird - und darf - der Versicherer Fragen zum Unfallhergang stellen. Die Prüfung, ob und in welchem Umfang ein Versicherungsfall eingetreten ist, ist legitim und nicht zu beanstanden. Aufpassen muss man vor allem dann, wenn der Versicherer darüber hinaus auch andere Auskünfte zu erlangen versucht. Wesentlicher Ansatzpunkt für den Vorwurf einer Leistungserschleichung ist die Suche nach dem Motiv. Der Versicherer wird sich also Informationen über die finanzielle Situation des Versicherungsnehmers beschaffen. Der Versicherer ist deshalb (1) am Einkommen (Wie hoch ist der Verdienst?), (2) den Ausgaben (Welcher Lebensstil wird geführt? Bestehen Schulden?) und (3) dem möglichen Profit durch die Gewährung von Versicherungsleistungen (Wie viele Versicherungen bestehen - auch bei anderen Gesellschaften) interessiert?

Deshalb sollte sich jeder Versicherungsnehmer vor der Beantwortung einer Frage immer im Klaren sein, warum der Versicherer jetzt diese Information haben möchte. Das ist aber nicht immer so leicht ersichtlich. Schwierig ist zudem, dass der Versicherer grundsätzlich auf vollständigen Auskünften besteht und den Versicherungsnehmer auf entsprechende Auskunftsobliegenheiten verweist. Für den Laien ist die Grenze zwischen zulässigen und unzulässigen Fragen meist nicht erkennbar.

Wichtig ist, dass der Unfall und seine Folgen von Anfang an und möglichst lückenlos und widerspruchsfrei vorgetragen werden. Fehler und Lücken lassen sich im Nachhinein häufig nur schwer korrigieren. Und ist das Misstrauen beim Versicherer erst einmal geweckt, führt dies im günstigsten Fall immer noch zu einer deutlich verlängerten Bearbeitungszeit.

Zur Informationsbeschaffung wird der Versicherer auch auf die Angaben von Zeugen und Ärzten zurückgreifen. Darüber hinaus bedient er sich zudem öffentlicher  Informationsquellen, vor allem aus dem Internet. Facebook, Xing und Co. sind dabei ein wahrer Quell für Informationen über den Versicherungsnehmer.

Keinesfalls sollte man ohne Zeugen oder anwaltlichen Beistand einen vom Versicherer geforderten "persönlichen Besprechungstermin" beim Versicherer oder zu Hause hinnehmen. Ziel solcher Termine, zu denen speziell geschulte Mitarbeiter entsandt werden, ist es, Hintergrundinformationen zur Lebenssituation des Versicherungsnehmers zu erhalten, um die "Motivlage" für die Ansprüche zu ergründen. Nicht selten werden die Versicherungsnehmer bei solchen Gesprächen auch unter Druck gesetzt und somit zu widersprüchlichen Aussagen gedrängt.