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11.05.2016 09:26 Alter: 2 yrs

BGH wendet Regeln der Arzthaftung auch auf den Tierarzt an

Tierhalter können sich gegenüber dem Tierarzt auch auf die Beweiserleichterungen bei groben Behandlungsfehlern oder Befunderhebungsmängeln berufen

Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 10.05.2016 - VI ZR 247/15, die bei ärztlichen Behandlungsfehlern geltenden Regeln auch auf den Tierarzt übertragen. Somit kommen Tierhaltern, deren Tier durch einen Fehler des Tierarztes geschädigt oder getötet wurde, die gleichen Beweiserleichterungen zu Gute wie menschlichen Patienten. Die obersten Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass sowohl der Human- als auch der Tiermediziner am lebenden Organismus tätig seien.

Die Auswirkungen werden sich vor allem am Grundsatz der Beweislastumkehr bei groben Behandlungsfehlern oder Befunderhebungsmängeln zeigen: Gelingt es dem Patienten oder eben jetzt auch dem Tierhalter, einen solchen Fehler nachzuweisen - was häufig schwer genug ist - muss im Anschluss der Tierarzt beweisen, dass der Fehler für den eingetretenen Schaden nicht kausal war. Das wird ihm in der Regel nicht gelingen, weshalb die Chancen auf Schadensersatz dann sehr gut stehen.

Relevant wird die Entscheidung sicher nur bei hochpreisigen Tieren, etwa Rennpferden. Auch der dem Urteil des BHG zugrundliegende Fall betraf ein Rennpferd und Deckhengst. Da es dem Pferdezüchter gelang, dem Tierarzt eine unzureichende Untersuchung des Tieres nachzuweisen - der Arzt übersah eine Fraktur -, sprachen die Richter dem Halter grundsätzlich das Recht auf Schadensersatz zu. Über die Höhe entschied der BGH nicht. Darüber entscheiden nun wieder die unteren Instanzen. Es geht aber um mehr als 100.000 Euro.