Dr. Alexander T. Schäfer
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< ERGO muss wegen Unfalls zahlen
26.02.2016 17:55 Alter: 2 yrs

72 Euro als angemessener Stundensatz für zahntechnische Leistungen im Rhein-Main-Gebiet

Privater Krankenversicherer durch Urteil des Amtsgericht Frankfurt am Main zur Kostenerstattung verpflichtet

In einem Verfahren vor dem Amtsgericht Frankfurt am Main hat die HUK Coburg Krankenversicherung AG die eingeklagten Kosten weitgehend anerkannt und wurde durch Anerkenntnisurteil vom 24.02.2016 - 30 C 4030/14 zur entsprechenden Zahlung verurteilt. Durch das Anerkenntnis vermied es der Versicherer, dass mit dem Urteil auch eine Begründung veröffentlicht wurde.

 

In dem Rechtsstreit ging es um die häufig streitige Frage, ob der private Krankenversicherer die Kosten für zahntechnische Leistungen (Labor- und Materialkosten) im vertraglich vereinbarten Umfang erstatten muss oder Kürzungen vornehmen darf. Der Versicherer hatte die Kosten nur zu einem kleineren Teil ausgeglichen und dies damit begründet, dass diese nicht „angemessen und üblich“ seien. Hierbei handelt es sich um einen häufigen Einwand, den fast alle Versicherer regelmäßig erheben. Parallel werden die Versicherten oft auch dazu aufgefordert, sich an einen anderen Zahnarzt zu wenden, der die gleiche Leistung günstiger erbringen könnte. Bei diesen Zahnärzten handelt es sich nicht selten um solche, die eine gesonderte Vereinbarung mit den Krankenversicherern geschlossen haben und auf Basis dieser Leistungen zu einem günstigeren Preis als ortsüblicherweise angeboten abrechnen.

 

Die Versicherungsnehmer müssen sich auf ein solches Angebot nicht einlassen, zumal häufig ein besonderes, langjähriges Vertrauensverhältnis zum bekannten Zahnarzt besteht. Nicht selten zeigt sich zudem, dass der Vorwurf des Versicherers, es würden „überhöhte Preise“ für zahntechnische Leistungen abgerechnet, nicht haltbar ist. So war es auch hier. Nach Einholung eines Gutachten durch einen von der Handwerkskammer öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für das Zahntechnikerhandwerk zeigte sich, dass die in Rechnung gestellten Preise fast durchgehend als angemessen anzusehen waren. Für das Rhein-Main-Gebiet wurde ein angemessener Stundensatz von 72,00 € ermittelt. Darüber hinaus führte der Sachverständige aber auch aus, dass von üblichen Preisen aufgrund verschiedenster Angebote und Preisgestaltungen generell sowieso nicht gesprochen werden könne.

 

Der klagende Versicherungsnehmer wurde im Verfahren durch Rechtsanwalt Dr. Alexander T. Schäfer vertreten.