Dr. Alexander T. Schäfer
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Arzthaftung - Wenn Ärzten Behandlungsfehler unterlaufen


Als Behandlungsfehler bezeichnet man jeden Fehler eines Arztes oder sonstigen Beteiligten bei der medizinischen Versorgung eines Patienten, wodurch diese geschädigt wird, also jede falsche Behandlung.

Maßstab für die Beurteilung sind die Regeln der ärztlichen Kunst (lege artis). Diese werden durch den „Facharzt-Standard“ geprägt. Dies bedeutet, dass jeder Arzt bei einer Behandlung den Standard einhalten muss, den ein Facharzt in diesem Gebiet nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft gewähren müsste. Anhaltspunkte für diesen Standard geben die Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF).

Grober Behandlungsfehler
Ein Behandlungsfehler liegt vor, wenn derart schwer gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen wird, dass man von einem Fehlverhalten sprechen muss, der einem Arzt einfach nicht unterlaufen darf. Es handelt sich dabei um eine juristische, nicht medizinische Bewertung. Die Unterscheidung zwischen einem einfachen und einem groben Behandlungsfehler ist in in einem Arzthaftungsprozess von großer Bedeutung. Im Normalfall muss der Patient zunächst beweisen, dass der Arzt einen Fehler gemacht hat. Danach muss der Patient aber auch noch nachweisen, dass ihn gerade dieser Fehler geschädigt hat. Gelingt es dem Patienten dagegen dem Arzt einen groben Behandlungsfehler nachzuweisen, tritt im Anschluss eine sogenannte Beweislastumkehr ein. Nicht mehr der Patient sondern der Arzt muss jetzt beweisen, dass sein Versagen den Schaden des Patienten nicht verursacht hat.

Diagnosefehler
Einen Unterfall stellt der Diagnosefehler dar. Ein solcher liegt vor, wenn der Arzt schuldhaft eine Erkrankung oder Verletzung nicht erkennt oder eine nicht vorhandene Krankheit diagnostiziert. Dies kann dadurch geschehen, dass er erhobene Befunde falsch interpretiert oder diagnostische Maßnahmen unterlässt.

Befunderhebungsfehler
Abzugrenzen vom Diagnosefehler ist der Befunderhebungsmangel. Er wird häufig als Gegenstück zum Diagnosefehler angesehen, stellt aber eigentlich einen Unterfall der falschen Diagnostik dar. Der Befunderhebungsmangel zeichnet sich dadurch aus, dass der Arzt die tatsächliche Erkrankung oder Verletzung nur deshalb nicht erkennt, weil er die dafür erforderliche Diagnostik nicht durchführt. Dies ist dem Arzt aber nur dann vorzuwerfen, wenn er erkennen musste, dass weitere Untersuchungen notwendig waren. Der Befunderhebungsmangel wird häufig mit dem (einfachen) Diagnosefehler verwechselt. Stellt der Arzt nämlich irrtümlich und vorwerfbar eine falsche Diagnose, liegt ein Diagnosefehler und kein Befunderhebungsmangel vor. Ein Befunderhebungsfehler ist stattdessen zu bejahen, wenn der Arzt gerade noch keine Diagnose gestellt hat und weitere mögliche Maßnahmen zur Ursachenerforschung unterlässt.

Fehler bei der Befunderhebung sind rechtlich bedeutsam, weil sie wie ein grober Behandlungsfehler zu einer Beweislastumkehr zu Gunsten des Patienten führen können. Dies ist dann der Fall, wenn die weitere Befunderhebung ein so eindeutiges Ergebnis erbracht hätte, dass eine Nichtreaktion auf diesen (hypothetischen) Befund sich als grober Fehler dargestellt hätte.

 

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